Schlachthaus Theater Bern
Theater

EINE PRODUKTION VON BUES / MEZGER / SCHWABENLAND:

ALS ICH EINMAL TOT WAR UND MARTIN L. GORE MICH NICHT BESUCHEN KAM

Vorstellungen: 22.04.2015 (Premiere) | 23.04.2015 | 25.04.2015 | 26.04.2015 | 16.05.2015 | 17.05.2015 | 22.05.2015 | 23.05.2015

Spiel Ort: Schlachthaus Theater Bern // Keller

Ein Stück über Lebenspläne und Todeserfahrungen, über Verrat und Musik, über Depeche Mode und dessen Sänger Dave Gahan, der gerne so gross wäre wie das Bild, das von ihm gezeichnet wird.

Die Termine im Überblick:

22. April Mittwoch 19:00 PREMIERE
23.4. Donnerstag 20:30
25.4. Samstag 20:30
26.4. Sonntag 19:00

16. Mai Samstag 20:30
17.5. Sonntag 19:00
22.5. Freitag 20:30
23.5. Samstag 20:30


Dave Gahan, Sänger von Depeche Mode, hat ein Imageproblem. Er löst es Anfang Neunziger so, wie es sich für den Rockstar, der er sein möchte, gehört: Tätowierungen, Heroin und ja, Tod. Von seinen zwei Minuten Todsein erzählt er seither gerne und in immer neuen Varianten. Die Wahrheit und die Ordnung der Ereignisse sind ihm derweil längst abhanden gekommen: Liegt er immer noch in diesem Hotelzimmer? Oder mitten in Auseinandersetzungen mit Bandchef Gore? Oder auf diesem Bärenfell von Britney Spears, die sich gerade an seinem Schritt zu schaffen macht?

ALS ICH EINMAL TOT WAR UND MARTIN L. GORE MICH NICHT BESUCHEN KAM steigt ein in den Kopf von Popdarsteller Gahan, in dessen Lebenszentrum ein Erlebnis steht, das ihm Tiefe verleihen und ihn ausmachen soll, nur dass er sich selbst leider nicht mehr daran erinnern kann. Und er erinnert sich und Andere gerade darum immer wieder und immer wieder neu daran. Ein Stück über das Erinnern, dem nicht zu trauen ist. Und über die Arbeit an der eigenen Geschichte.

Daniel Mezger, Autor von ALS ICH EINMAL TOT WAR UND MARTIN L. GORE MICH NICHT BESUCHEN KAM, hat dieses Stück um die Erfindung einer eigenen Biografie Dennis Schwabenland auf dem Leib geschrieben, es geht ihm nun wie Dave Gahan, der sich Hunderte von Songs von der Seele singen durfte, die ihm allesamt Martin L. Gore auf den Leib geschneidert hat.


Aus den Pressestimmen zu "Als ich einmal tot war und ..."

„Vergnüglich schwarzhumorig: Daniel Mezger schickt einen der grössten (noch) lebenden Popstars auf die Bühne im Schlachthaus. Wo dieser über die verpasste Chance nachdenkt, rechtzeitig zu sterben. (…) Die Affiche liess bangen: ein achtzig¬minütiger Monolog, in dem das Leben ¬eines Popstars abgehandelt werden soll. Kann das gut gehen? Es kann. Und zwar weil das Stück von Daniel Mezger nicht den Anspruch hat, der Achterbahnfahrt eines Rockstarlebens eine universelle Weisheit abgewinnen zu wollen, sondern einfach nur gute Unterhaltung bietet. (…)

Dennis Schwabenland (exzellente Leistung!) mimt in Mezgers Monolog den Gahan, lässt ihn auf Britney Spears treffen und beim gemeinsamen Joint in die Vergangenheit abtauchen. Dabei wird das Aufwachsen in einer englischen Asphaltstadt thematisiert, ausserdem früher Kontakt mit Kriminalität, Drogen, Rebellion, die Langeweile vor und nach Konzerten, zerlegte Hotelzimmer, noch mehr Drogen, zweiminütiger klinischer Tod und erfolgreiche Reanimation. (…) «Als ich einmal tot war . . .» will weder dokumentarisches Stück sein noch einen musikalischen Abend liefern. Auf der Kellerbühne des Schlachthaus-Theaters gibt es denn auch nur Fetzen aus bekannten Depeche-Mode-Songs zu hören. Trotzdem ist die Musik omnipräsent, denn auf allem liegt der lange Schatten des Martin L. Gore. Der war nicht nur der Mann am Keyboard bei Depeche Mode, sondern auch der Drahtzieher im Hintergrund, hat er doch praktisch alle Songs und Texte in Eigenregie verfasst. (…)

Mezgers Text und Schwabenlands Spiel gewinnen der grimmigen Ausgangslage sehr viel Komik ab. Das Junkie-Elend wird hier in seiner Schrulligkeit vorgeführt, wie es auch der schottische Regisseur Danny Boyle in «Train¬spotting» tat. Zudem ist es vergnüglich schwarzhumorig, wie sich Schwabenlands Gahan darüber aufregt, dass ihm dieser Kurt -Cobain die Todesart weggenommen habe und er es deswegen verpasst habe, im «richtigen» Alter von 27 Jahren zu sterben. (…) Wer eine intellektuelle Auseinandersetzung mit den Mechanismen des Pop sucht, lese Diedrich Diederichsens «Über Pop-Musik». Wer mehr über Gahans Leben wissen willl, kaufe Trevor Bakers Biografie. Wer aber gut unterhalten werden will, der gehe zu Schwabenland.“

(Gisela Feuz, Der Bund, Ausgabe vom 24. April 2015)


„ (…) Wie ein schnell geschnittenes MTV-Musikvideo präsentiert sich "Als ich einmal tot war und Martin L. Gore mich nicht besuchen kam", uraufgeführt im Schlachthaus Theater Bern und koproduziert mit den Theatern Rampe Stuttgart und Winkelwiese Zürich. Der Rockstar erzählt seine gescheiterte und gleichermaßen Markt-erfolgreiche Existenz als Aneinanderreihung mehr oder weniger glaubwürdiger Geschichten. Da ist diese Begegnung mit Britney Spears und ein gemeinsamer Joint. Da sind die düstere Erinnerung an die Kindheit und die inzwischen toten Jugendfreunde. Da sind ein ebenfalls toter Vater, ein halbernster Suizidversuch und eine äußerst gleichgültige Mutter.
(…) Dennis Schwabenland erzählt das in einem Glaskasten monologisch, repetitiv, frei variiert, mehrstimmig und leicht verschoben. Jede der Geschichten hat unzählige Versionen und die lauernde Frage nach Wahrheit und Echtheit entpuppt sich spätestens nach zehn Minuten als völlig absurd und deplatziert. Der Rockstar Dave Gahan erfindet und vergisst sich fortwährend. Schwabenland zieht jede Karte von Popchoreografie und Sprechgesang über schamlose Selbstentblößung bis hin zu simpel-komischem Fingertheater und Schattenspiel.
(…) In erster Linie lebt der Abend von der Sprache, von der Erzählwut dieser Figur und des Autors, der hinter ihr steht. Daniel Mezger verbindet in seinem Text präzise Sprachformung mit einer beiläufigen und schwatzhaften Erzählweise, voller Brüche, Verschiebungen, Rausch, auch: Poesie. Marie Bues Inszenierung schifft zudem an Klamauk und allzu Reißerischem vorbei, fügt scheinbar Widersprüchliches zusammen. Manchmal wird daraus popikonisches Blabla, und manchmal ist "Als ich einmal tot war und Martin L. Gore mich nicht besuchen kam" bitterböse Satire auf die Inszenierungssucht mancher Celebrities und den gierigen Voyeurismus der Restlichen, die durch ihre Blicke den Star erst fabrizieren: Produktion durch Rezeption, Authentizität durch Show.“

(www.nachtkritik.de, Geneva Moser // Bern, 22. April 2015)


Szenenfotos aus "Als ich einmal tot war und ..." // Fotos: Rob Lewis




VON UND MIT: Dennis Schwabenland, Daniel Mezger, Marie Bues, Martina Grohmann, Kat Kaufmann, Heike Mondschein, Joachim Budweiser, Tonio Finkam, Annette von Goumoëns.

Eine Koproduktion von Bues/Mezger/Schwabenland, Schlachthaus Theater Bern, Theater Rampe, Theater Winkelwiese Zürich, Staatstheater Darmstadt