Schlachthaus Theater Bern
Theater

Schauplatz International:

Fundamentalisten

Vorstellungen: 13.03.2015 (Premiere) | 15.03.2015 | 19.03.2015 | 20.03.2015 | 21.03.2015

Spiel Ort: Schlachthaus Theater Bern // Saal

Fundamentalisten ist eine Arbeit über die fanatische Suche nach der Wahrheit im künstlerischen Ausdruck, nach der radikalen Redlichkeit in der Lüge.

Die Termine im Überblick:
13. März Freitag 20:30 PREMIERE
15.3. Sonntag 16:00

19.3. Donnerstag 20:30
20.3. Freitag 20:30
21.3. Samstag 20:30


Alles begann nicht. Wie man über den Frachter vor der Küste Englands und dessen Kapitän in einer Zeitungsmeldung zwischen den Jahren geschrieben hatte, so hätte man auch über sie schrieben können: Meisterlich gestrandet, eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Im neuen Jahr, dem jetzigen, waren Künstler von Fundamentalisten in Paris ermordet worden. Die Stadt der Liebe, wie es in jedem Beitrag hiess. Der Spass, die Ironie war auf tödlichen Ernst gestossen. Hatten sie sich vor Kurzem noch als Idealisten bezeichnet, hatten mit dieser Zusprechung gerungen, waren darüber gestolpert, waren froh darüber, dass sie und auch die Zuschauer darüber lachen konnten, überkam sie nun die Ahnung, dass sie eher Fundamentalisten waren.

Ausgehend vom Gedanken der Schönheit, der Erhabenheit und der Wahrheit, die der Sehnsuchtsort Berge ausstrahlt, vom Problem des adäquaten Festhaltens und des Übersetzens dieses Moments der Ergriffenheit, setzte sich Schauplatz International mit zwei historischen Figuren des 19. Jahrhunderts auseinander. Von Eugène Viollet-Le-Duc wird gesagt, er hätte mit seiner Art zu restaurieren die Gotik erst erfunden. Er, der unter anderem die Kathedrale von Lausanne restaurierte und zuletzt Pläne schmiedete die Alpen zu restaurieren, sie in eine ideale Ursprungsform zurückzuführen, die sie nie gehabt haben. John Ruskin, der Engländer, der das Erhalten des Zerfallenen als adäquate Form des Festhaltens propagierte, einer der ersten Turner-Sammler. Ruskin, dem die Kunst zu wenig weit ging, wurde gesellschaftlich aktiv, kämpfte für ein besseres Leben. Er malte in den Alpen vor allem die Wolken, welche die Gipfel umschleichen. - Das war der Plan gewesen, bevor die Ereignisse sich überschlugen, in der Gruppe und auch in der Welt. Schauplatz International beschloss, die Arbeit wieder ganz nah an sich heranzuholen, radikal subjektiv, eine Arbeitswiese die Schauplatz International immer ausgemacht hat. Fundamentalisten ist eine Arbeit über die fanatische Suche nach der Wahrheit im künstlerischen Ausdruck, nach der radikalen Redlichkeit in der Lüge. Ausgehend von Werner Herzogs Film „Die große Ekstase des Bildschnitzers Walter Steiner“, und Beobachtungen zum 19. Jahrhundert, welches James Webb in seinem Buch als das Zeitalter des Okkultismus, als das Zeitalter der Flucht vor der Vernunft betitelte.

Fundamentalisten ist Teil der Trilogie die mit Idealisten 2014 ihren Anfang nahm, und vermutlich, wer weiss das jetzt schon, 2016 mit Egoisten ihren Abschluss finden wird.

Weitere Infos zu Schauplatz International unter www.schauplatzinternational.net

Auszug den Pressestimmen:

"«Fundamentalisten», so heisst das neueste Stück der Bern-Berliner Gruppe Schauplatz International, das zweite einer geplanten Trilogie, die vor Jahresfrist mit «Idealisten» ihren Anfang nahm. (…) Nun, bei «Fundamentalisten», liegt die Aktion ganz im Text, einem bewegten Gedankenstrom, einer erdachten Reise an «Orte der Wahrheit», wie der Sprecher es ausdrückt. Darum geht es, profan gesagt: um die Suche nach der Wahrheit in der Kunst. (…) Schauplatz International ist eine Gruppe, die, wenn es um künstlerische Selbstreflexion geht, in Gebiete vordringt, die andere nicht ohne zusätzlichen Sauerstoff bewältigen würden. Dazu gehört auch, dass die Schauplatz-Leute um das Grossgestige wissen, das in einer solch radikalen Suche wie jener von «Fundamentalisten» lauert. (…) Wohin auch immer der dritte Teil der Trilogie geht: Wir werden dabei sein."

Regula Fuchs, Der kleine Bund vom 16. März 2015


Foto: Alexander Jaquemet

Idee, Realisation, Bühne und Musik: Schauplatz International; Mit: Anna- Lisa Ellend, Albert Liebl, Lars Studer; Komposition, Musik: Martin Lorenz; Kostüme, Ausstattung: Diana Ammann; Simultanübersetzung Isländisch: Helga Brekkan; Technische Leitung, Licht: Stephan Müller; Assistenz, Produktionsleitung, Presse: Isabelle Jakob; Assistenz Bühne, Ausstattung, Technik: Janosch Perler; Grafik: Katharina Reidy, www.coboi.ch

Eine Koproduktion von Schauplatz International, Schlachthaus Theater Bern, Theater Roxy Birsfelden, Südpol Luzern

Gefördert durch: Stadt Bern, Kanton Bern, Pro Helvetia, Migros Kulturprozent, Kanton Zug, Fachausschuss Tanz und Theater BS/BL, Ernst-Göhner-Stiftung, Burgergemeinde Bern