Schlachthaus Theater Bern
Theater

Collectif barbare:

Les Paradis barbares

Vorstellungen: 17.12.2009 (Uraufführungs-Produktion. Premiere) | 18.12.2009 (Uraufführungs-Produktion. Probier-Mich-Preis) | 19.12.2009 (Uraufführungs-Produktion) | 20.12.2009 (Uraufführungs-Produktion)

Spiel Ort: Schlachthaus Theater Bern

Von Astride Schlaefli.
über Paradiesvorstellungen von Migranten und nationalistischen Schweizern.

Collectif barbare stellt in «Les Paradis barbares» zwei Paradiesvor-stellungen von der Schweiz gegenüber, die real nicht existieren aber sehr reale Folgen haben. Die Vorstellung konservativer, nationalisti-scher bis hin zu rechtsextremer Bewegungen. Und die der Immigranten. Die, die kommen wollen und die, die bereits da sind. Legal oder illegal. Wer der Fremde, «der Barbar» ist, und wer nicht, hängt ganz von Blickwinkel und Standpunkt ab.
Collectif barbare illustriert die Illusionen, die diese beiden Paradiese beherbergen. Und das, was sie möglich machen und auslösen: Rassismus, Xenophobie, Berührungsangst, Gewalt und viele Tote vor den Küsten Europas. Die Konfrontation der beiden Eden macht den Abgrund klar, der sie trennt. Die Angst der Einen vor der Hoffnung der Anderen.

Es gibt vielschichtige Erzählebenen. In einer fiktionalen Jetztzeit sehen wir zwei Ehepaare und eine Pianistin. Nach und nach entdecken wir ihre Geschichte und ihre Charaktere. In einer Film- und Dia-Ebene wird ihre Vergangenheit entschlüsselt. Der gemeinsam verbrachte zweiwöchige Pauschalurlaub wurde filmisch und auf Dias festgehalten. In diesen Ferien ist etwas vorgefallen, worüber seither eisernes Schweigen herrscht. Der fiktionalen Ebene steht die reale Ebene zweier Afrikaner gegenüber, die man bereits vor Beginn des Stückes als Personal wahrge-nommen hat. Im Verlauf der Vorstellung kommen sie auf die Bühne. Die lyrisch-nostalgische Ebene von Wagners Ring bildet das musikalische Gerüst und wird durch die prosaisch-pathetische Heavymetal-Ebene ergänzt, die die aufgewühlten Szenen rhythmisiert. Auf der körper-lichen Ebene runden diverse Solo- und Gruppen-Choreografien, Aerobic, Ausdruckstanz und Striptease das Ganze ab. Die diversen roten Fäden werden auf allen Ebenen gesponnen und miteinander verwoben und erschliessen sich immer mehr im Verlauf des Abends.


Regie: Astride Schlaefli. Musikalische Assistenz: Christian Kuntner. Spiel: Katy Hernan, Vera Kardos, Astride Schlaefli, Badri Ismael Abokor, Erwin Hurni, Fredy Kaniere, Andreas Thierstein. Technik/Licht: Matthias Keller, Lola Rosarot. Produktionsleitung: Michael Röhrenbach.