Schlachthaus Theater Bern
Theater

Susanne-Marie Wrage & Ensemble:

Medeamalika

Vorstellungen: 28.04.2005 (anschliessend Publikumsgespräch) | 29.04.2005

Im Rahmen von: AUAWIRLEBEN 05 KÖRPER AYSL

Spiel Ort: Schlachthaus Theater

Eine wirkliche Frau, eine wirkliche Schauspielerin, greift zu der mythischen Figur der fremden Frau, um von der Differenz im wirklichen Leben in einem wirklichen fremden Land zu erzählen.

Medea, eine Asylbewerberin von heute. Fremd in einer anderen Kultur, umgeben von fremden Sprachen und bekannten Vorurteilen, sitzen gelassen mit zwei Kindern vom geliebten Mann, für den sie alles riskiert hat. Ein Zurück gibt es nicht, zuhause droht die Todesstrafe. Er, Jason, kauft sich bestens ein ins Asylland, heiratet in die Upper Class hinein mit Karriereknick nach oben. Vielversprechende Zukunft für sich, für die Familie. «Ich will nur unser Bestes». Das Beste ist: neue Frau plus alte Frau, Kinderchen von beiden, innerfamiliäres Multikulti, gesichertes Doppelleben, königliche Aussichten. Eleganter Kompromiss. Jason dealt mit Medea: anpassen oder verschwinden. Integration oder Ausweisung. Frage: wie viel kostet das neue Leben in der Fremde? Antwort: es kostet die Identität plus die Liebe plus das Leben. Malika Khatir ist Medea. Und sie ist Malika, die Schauspielerin, die vor 10 Jahren aus Algerien nach Zürich kam. Ihre Medea singt arabische Klagelieder, flucht französisch, wechselt ins Deutsche und vom Pathos in den Alltagston, erzählt von ihren Erfahrungen als Muslimin in Zürich, von der strengen Jugend in der Heimat, vom Opferlamm, dem der Vater auf dem Balkon die Kehle durchschnitt: «Et le gigot était si bon». Unzählige Fassungen, Interpretationen, über Jahrhunderte hinweg haben sich an dem katastrophischen Mythos abgearbeitet und seine Frage der Differenz ideologisch ausdifferiert. Ob Kampf der Geschlechter oder der Kulturen, die radikale Irritation, die von Medea ausgeht, wurde plus oder minus gepolt: Medea die Rasende, die grosse Liebende, das Weib als inkarnierte Bedrohung, die Kindsmörderin oder das Opfer eines Justizskandals. «Medeamalika» lässt die Frage der Differenz, der divergierenden Lebens- und Liebesentwürfe, konkret heute in der schweizerischen Fremde ankommen.



Mit Malika Khatir, Tony de Maeyer, Silke Geertz, Roberto Guerra, Noël Casty, Klaus Henner Russius. Regie: Susanne-Marie Wrage. Dramaturgie : Iva Sanjek. Raum : Michel Schaltenbrand. Koproduktion Migros-Kulturprozent und GO Theaterproduktionen