Schlachthaus Theater Bern
Theater

nachtau:

Der Vulkan – Stücke von Schlaflosigkeit

Vorstellungen: 11.02.2010 (Probier-Mich-Preis) | 12.02.2010 (Uraufführungs-Produktion) | 13.02.2010 (Uraufführungs-Produktion)

Spiel Ort: Schlachthaus Theater Bern

Drei schlaflose Frauen im neuen Stück von Jens Nielsen.

Die neu gegründete Theaterformation «nachtau» geht in ihrem ersten Projekt mit drei Frauen auf eine subtil absurde Reise durch die Nacht: Sylvie, Chantal und Brit erleben die Zeit zwischen zwei Uhr morgens und dem Sonnenaufgang auf eine geheimnisvolle, teils beunruhigende Weise, jede an einem andern Ort. Ein Stück über die dunkle Hälfte dreier Leben, begleitet von einer hoch präzisen, eigensinnigen Geräuschmusik. Hirnstromverändernd.
Chantal hat einen Mann und zwei Kinder, die alle ruhig schlafen. Aber Chantal kann nicht schlafen. Stattdessen lässt sie sich in ihrer Schlaflosigkeit treiben. Mal zermürbt sie dieser Zustand fast, mal gibt sie sich seinen abgründigen Tiefen hin, dann wieder unternimmt sie ernsthafte Versuche, sich mit wirkungslosen Einschlafübungen zu beruhigen. Erstaunt schaut man zu, wie eine Frau mit einem konventionellen Alltag nachts in seltsame und bizarre Zustände gerät. Und immer wieder wundert man sich, was es mit ihrer schlafenden Familie wirklich auf sich hat.
Chantal: «Immer wenn ich nachts nicht schlafen kann wird alles eng / Obwohl alle andern schlafen / Da wäre doch mehr Platz / Aber nein / Diese Küche zum Beispiel / Sie schrumpft / Ich komme mir vor wie in einer Streichholzschachtel […]».
Brit geht es noch etwas weniger gut als Chantal. Ihre Schlaflosigkeit hat sie schon ein Stück weiter in eine Art seelisches Zwielicht getrieben, aus dem heraus sie nur noch manchmal tritt, um kraftvoll aber auf groteske Weise ihre Situation zu analysieren. Mit der Zeit aber wird klar: Brit möchte ganz verschwinden, obwohl sie sich davor noch mehr fürchtet, als vor einer schlimmen Tat, die sie vielleicht begangen hat.
Brit: «Das ist nicht meine Wohnung / Das ist ein Zwinger / Ich bin in einem Zwinger / Letztes Mal als ich da draussen war / Draussen in der / Ist das lange her?
Da hab ich / Hab ich da jemanden überfahren / Ja / Jemand von meiner / Mit dem Auto / Was war das für ein Auto / Ein Peugeot […].»
Sylvie kommt am besten zurecht mit ihrer Schlaflosigkeit. Wann immer es ihr gelingt, ergibt sie sich dem Zauber der Nacht. Sie erfindet sich ein Leben als bekannte Radiomoderatorin und ist mit aller Welt in Kontakt. Nur wenn niemand anruft und Stille herrscht, dann wird sie unruhig und sehnt sich nach Menschen, die ihr etwas erzählen, oder nach ihrem Hund, der sie verlassen hat, um in Paris berühmt zu werden.
Sylvie: «Ecoutez-moi / Ihr nächtlichen Stimmen / Ihr Mondsüchtigen / Kobolde der Stadt / Ruft mich / Ruft / Je n’aime pas le silence / Die Eulen fliegen heute Nacht / Sie machen kein Geräusch / Ich habe nichts von ihrer Schönheit / Je préfère les chiens / Les cochons / Schweine sind gescheit / Eulen sind dumm /Und die Menschen, die es verwechseln […].»


Bild: Beni Küng

Mit: Malika Khatir, Vivianne Mösli, Priska Praxmarer. Text: Jens Nielsen. Regie: Katarina Gaub. Licht: Edith Szabo. Bühne: Beni Küng. Kostüme: Lena Steinemann. Musik: Irina Ungureanu. Grafik: Beatrice Widmer. Produktionsleitung: Marie Theres Langenstein.

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