Schlachthaus Theater Bern
Literatur

sprach‘FORM präsentiert:

Marica Bodro√ic und Dzevad Karahasan.

Vorstellungen: 15.02.2008

Spiel Ort: Schlachthaus Theater

Aus Anlass der Uraufführung von «Gelben Tage»: Ein Abend mit zwei grossen Schriftstellerinnen aus dem im Krieg verschwundenen Staat. Moderation: Ilma Rakusa.

D√evad Karahasan wurde 1953 in Duvno in der heutigen Bosnien-Herzegowina geboren. In Sarajevo studierte er Theaterwissenschaft und Komparatistik, wirkte dann als Dramaturg und als Chefredaktor einer Literaturzeitschrift. 1993 verliess er die umkämpfte Stadt und arbeitete an der Universitäten Salzburg und Göttingen. Ein Stipendium des DAAD führte Karahasan 1995 nach Berlin, und zwei Jahre später wurde er Stadtschreiber von Graz. 1980 veröffentlichte Karahasan seinen ersten Band mit Erzählungen «Kraljevske legende» (deutsch «Königslegenden», 1996). Neben Theaterstückn, Essays und Hörspielen erschienen 1989 zwei Romane: «Stidna √itija» (d.h. Ein keusches Heiligenleben) und «Istocni diwan» (deutsch «Der östliche Diwan», 1993), eine Kriminalgeschichte im Kontext mittelalterlicher islamischer Philosophie. Für «Dnevnik selidbe» (deutsch «Tagebuch der Aussiedlung», 1993), eine Beschreibung der Kriegsalltags in Sarajevo, erhielt Karahasan 1994 den europäischen Essaypreis Charles Veillon. Zwanzig Minuten Fußweg sind es von der Lateinerbrücke, an der mit dem Attentat auf das Habsburger Thronfolgerpaar das «kurze 20. Jahrhundert» begann, bis zur Vrbanjabrücke, an der es 1992 mit der Ermordung zweier Studentinnen endete. Nüchtern und unspekulativ hellt D√evad Karahasan die Dunkelheit auf, die über diesem Weg und den Menschen liegt, die ihn gegangen sind. In den vier Erzählungen des Bandes «Berichte aus der dunklen Welt» folgt Karahasan den Spuren, die das 20. Jahrhundert in seiner Heimatstadt Sarajevo und in Bosnien hinterlassen hat. ****************************************** Marica Bodro√ic wurde 1973 im dalmatischen Hinterland geboren, wuchs in der Herzegovina, später in Dalmatien auf. 1983 kam sie nach Deutschland, wo ihre Eltern bereits seit den 60er Jahren als «Gastarbeiter» lebten. Dort erst lernte sie die Sprache, die auch ihre Kunstsprache werden sollte. Diese Erfahrung schilderte sie später in «Sterne erben, Sterne färben. Meine Ankunft in Wörtern», eine «autobiografische Prosa», erschienen 2007. Schon für ihren ersten Erzählband «Tito ist tot» (2002) wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Weitere Titel: «Der Spieler der inneren Stunde» (2005) und «Der Windsammler» (2006). Marica Bodro√ic lebt heute als freie Schriftstellerin die meiste Zeit in Berlin.


Marica Bodrozic

sprach‘FORM ist der neue Name für die von Hans Ruprecht und Raphael Urweider kuratierten und organisierten Literaturveranstaltungen.