Schlachthaus Theater Bern
Theater

TRAININGSLAGER:

Tag der Dachse von Jens Nielsen

Vorstellungen: 18.02.2009 | 20.02.2009 | 21.02.2009

Spiel Ort: Schlachthaus Theater

Vier Männer stehen um ein Grab. Im Grab liegt eine Frau. Mutter, Grossmutter, Tochter, Enkelin?

Vier Männer stehen um ein Grab. Im Grab liegt eine Frau. Die Männer, unfähig, mit ihrer Trauer umzugehen, beginnen zu streiten: um Erinnerungen, um Vorrechte, um Status, um Schuld. In keinem Punkt herrscht Einigkeit. Sie rekapitulieren das Leben der toten Frau, bemächtigen sich ihrer Habseligkeiten und steigern sich in immer absurdere Lügengebilde. In einem peniblen Streit um erfundene Details und um die Grösse des erlittenen Verlustes zerstört das Männerquartett langsam alle Gemeinsamkeiten, Erinnerungen und Gewissheiten, kurz: seine eigene Geschichte. Die Geschichte einer grossen Liebe. Tag der Dachse beschreibt die Tragödie der menschlichen Endlichkeit, die im Augenblick des Todes eines nahen Angehörigen für einen Moment greifbar wird. Ausgehend von dieser existentiellen Erfahrung der scheinbaren Sinnlosigkeit unseres Daseins untersucht das Stück menschliche Verdrängungsmechanismen und Erinnerungsstrukturen, die im Beschwören einer gemeinsamen Vergangenheit münden, die so nie stattgefunden hat. Nostalgische Rückblenden, ritualisierte Vierersequenzen und Alltagsgespräche wechseln mit Szenen, in denen sich die Figuren in eine Scheinwelt flüchten. Doch obwohl die vier Männer alles daran setzen, gemeinsam und endgültig unterzugehen, fallen sie wie Stehaufmännchen immer wieder in die Wirklichkeit zurück. Jens Nielsen steht durch seine Texte, die sich oft mit Tod, Vergänglichkeit und Lebenssinn auseinandersetzen, einzigartig in der Schweizer Dramatikerlandschaft. Dies vor allem deshalb, weil er frei von einer moralisierenden und psychologisierenden Sprache äusserst theaterwirksam denkt und eine Sprachwelt schafft, welche die Figuren über ihre Alltäglichkeit hinausführt. Indem sich Nielsen immer wieder über die Sprachregeln und Beziehungsnormen hinwegsetzt, entlarvt und ironisiert er zementierte Denkmuster und ideologischen Sprachgebrauch in unserer alltäglichen Lebenswelt.


Regie: Antje Thoms. Regiemitarbeit: Dominique Müller. Spiel: Vivianne Mösli, Dominique Müller, Jens Nielsen, Ingo Ospelt, Hans-Rudolf Twerenbold. Dramaturgie: Walter A. Gratz. Ausstattung: Marcella Maichle. Licht: Michael Omlin. Musikalische Beratung: Irina Ungureanu. Video: Chantal Michel. Technik: Daniel Müller. Regieassistenz: Nadine Jaberg. Fotos: Carola Hölting. Grafik: Andrea Huyoff. Produktionsleitung: Michael Röhrenbach. Produktion: TRAININGSLAGER. Koproduktion: Theater Winkelwiese Zürich, Theater Tuchlaube Aarau, Schlachthaus Theater Bern.