Schlachthaus Theater Bern
Theater

Replay Palestine:

Die Vertreibung

Anschliessend Diskussionsrunde mit Mustafa Atrash ,Yves Kugelmann, Daniel Vischer, und Karin Wenger

Vorstellungen: 05.03.2009 | 06.03.2009

Spiel Ort: Schlachthaus Theater

von Roland Merk. Ein dokumentarisches Theaterstück zur Nakba in vier Fragmenten. Anschliessend Diskussionsrunde mit Mustafa Atrash ,Yves Kugelmann, Daniel Vischer, und Karin Wenger. Moderation: Urs Heinz Aerni.

Das Dokumentartheater «Die Vertreibung» ist das erste deutschsprachige Stück, das sich mit der Nakba, arabisch für Katastrophe, und ihren Auswirkungen auf die heutige Situation des israelisch-palästinensischen Konfliktes auseinandersetzt. Mit dem Wort «Nakba» bezeichnen die Palästinenser die Vertreibung von rund 750'000 Palästinensern aus ihrer Heimat und die Zerstörung oder Räumung von rund 530 palästinensischen Dörfern und Stadtteilen während des israelisch-arabischen Krieges von 1948. Das Stück thematisiert in vier Fragmenten die bewegte Geschichte des palästinensischen Volkes von 1948 bis in unsere Tage und endet mit einem Epilog zur Operation «Gegossenes Blei», die im Januar 2009 beendet wurde. Die Ordnung des geschichtlichen Materials stützt sich auf die neuesten Erkenntnisse von palästinensischen und israelischen Historikern. Letztere werfen auf Grund der Öffnung der Archive in Israel ein neues Licht auf die Ereignisse von 1948 und bewirken damit eine Korrektur der offiziellen Geschichtsschreibung des Landes. Die ersten 3 Fragmente haben die Ereignisse von 1948 zum Gegenstand. Im 1. Fragment mit dem Titel «Bericht vom Massaker in Deir Yassin im April 1948» kommen verschiedene Augenzeugen zu Wort und berichten, was während dieses Massakers geschah. Palästinensische Überlebende, ein Schweizer Gesandter des Roten Kreuzes, Funktionäre des Palmach und Soldaten des Stern geben wieder, was in Deir Yassin vor sich ging. Das Fragment schliesst mit einem kritischen Brief Martin Bubers an Ben Gurion, dem Gründervater Israels, und einer Protestnote, die Albert Einstein, Hannah Arendt und andere prominente jüdische Intellektuelle zu den Vorfällen in Deir Yassin verfasst hatten. Das 2. Fragment «Bericht von der Einnahme der Stadt Haïfa und der Vertreibung ihrer palästinensischen Einwohner im April 1948» zeichnet die gewaltsame Räumung der palästinensischen Quartiere durch die Haganah nach. Rund 75'000 Palästinenser wurden innerhalb weniger Tage aus der Stadt vertrieben, und ihr Hab und Gut, das sie zurücklassen mussten, wurde beschlagnahmt. Der palästinensische Augenzeuge Abu al-Ardat erzählt, was im Hafen von Haïfa geschah, von wo aus er mit seiner Familie wie Abertausende weitere Palästinenser in den Libanon fliehen musste. Seine Schilderung ist so auch ein Bericht über das Exil und umkreist die Frage nach der Rückkehr. «Bericht von den Ereignissen in Tantura im Mai 1948», das 3. Fragment zu 1948, schildert, wie die Haganah am 9. Mai entschieden hatte, das Dorf Tantura anzugreifen und Vorbereitungen dazu traf. In der Nacht vom 22. zum 23. Mai wurde das Dorf überwältigt und 230 Bewohner zum Strand gebracht und anschliessend getötet. Überlebende aus Tantura, die meisten Flüchtlinge des Lagers Yarmuk in Syrien, schildern, wie die Haganah in dieser Nacht vorging und wie die Überlebenden anschliessend vertrieben wurden. Die Fortsetzung der Vertreibung bis in unsere Gegenwart hinein wird im 4. Fragment «Bericht von den Ereignissen in Dschenin im April 2002» anhand der Schilderung eines israelischen Soldaten beleuchtet. Der Soldat, Lenker eines 60 Tonnen schweren Bulldozers, erzählt, wie er während drei Tagen, ausgerüstet mit Zigaretten und Whisky, schlaflos seine «Arbeit» verrichtet, die komplette Zerstörung eines Teils des Flüchtlingslagers Dschenin, das Flüchtlinge von 1948 beherbergte. Das Stück schliesst mit einem Epilog zur Operation «Gegossenes Blei», der die Auswirkungen der jüngsten Ereignisse auf das Leben im Gazastreifen thematisiert.



Text, Regie: Roland Merk. Spiel: Dominique Lüdi, Michael R. Buseke und Thomas C. Gass. Video: Nadja Pecinska. Diskussion vom Do 5. März mit: Mustafa Atrash, Vorstand Gesellschaft Schweiz-Palästina, Yves Kugelmann, Chefredaktor des jüdischen Wochenmagazins «Tachles», Daniel Vischer, Nationalrat Grüne Partei, Karin Wenger, Journalistin NZZ und Buchautorin «Checkpoint Huwara». Moderation: Urs Heinz Aerni, Kulturvermittler.