Schlachthaus Theater Bern
Theater

Theater Marie (Aarau):

Orlando

Vorstellungen: 24.09.2009 (Berner Premiere) | 25.09.2009

Im Rahmen von: Calling London

Spiel Ort: Schlachthaus Theater Bern

Eine Biografie, eine Fantasie von Virginia Woolf über ihre Freundin Vita Sackville-West.

Adeline Virginia Stephen wird am 25.1.1882 in die Ober- und Bildungsschicht der spätviktorianischen Gesellschaft Londons hinein geboren. Ihre labile psychische Verfassung lässt sie nach dem Tod des Vaters 1904 einen ersten Suizidversuch unternehmen. Virginia Woolf schreibt Artikel für die Frauenbeilage des Guardian und unterrichtet Geschichte. 1912 heiratet sie den Schriftsteller Leonard Woolf. 1915 erscheint ihr erster Roman und sie beginnt regelmässig und umfangreich Tagebuch zu schreiben. Zwei Jahre später gründet sie mit Leonard einen erfolgreichen Kleinverlag, bei dem in der Folge auch ihre eigenen Bücher erscheinen. Ihr Werk umfasst neun Romane, zahllose Erzählungen, Essays, Literaturartikel und – Kritiken. Ausserdem sind unzählige Briefe und Tagebücher erhalten. Ihr Leben wird immer wieder durch mentale Zusammenbrüche erschüttert und bleibt von Todessehnsucht geprägt. Am 28.3.1941 nimmt sie sich das Leben.

Orlando? Was denn? Wer denn? Sechsunddreissig; eine Frau. Ja, aber eine Million andere Dinge zugleich. Denn wenn es sechsundsiebzig verschiedene Zeiten gibt, die alle gleichzeitig im Gemüt ticken, wie viele verschiedene Personen
gibt es dann erst – Himmel hilf -–, die alle zur einen oder anderen Zeit im Menschengeist hausen?

Virginia Woolf, Orlando

«Orlando» ist eine Biografie, eine Fantasie von Virginia Woolf über ihre Freundin Vita Sackville-West. Um Vita, mit der sie eine bewegte, von unterschiedlicher Anziehung und Bewunderung geprägte Beziehung pflegte, ganzheitlich zu beschreiben, lässt Virginia Woolf Vita alias Orlando das Geschlecht wechseln und über 400 Jahre leben. Der Roman ist ein historisches Riesenfresko über den adeligen Orlando, Günstling von Königin Elisabeth, Liebhaber einer russischen
Prinzessin, Betrogener, Leidender, schliesslich Gesandter in Konstantinopel. Dort verwandelt er sich über Nacht in eine junge Dame gleichen Namens, lebt eine Weile bei Zigeunern in Kleinasien, kehrt dann nach England zurück, um dort die folgenden Jahrhunderte zu durchwandeln: skeptisch und gefühlvoll, grüblerisch und geniessend, teils als grosse Dame des Salons, teils lebensabgewandt, der Einsamkeit zugesprochen.

In jedem menschlichen Wesen gibt es ein Schwanken von einem Geschlecht zum anderen, und oft sind es nur die Kleider, die das männliche oder weibliche Aussehen aufrechterhalten. Mit den Verwicklungen und Verwirrungen, die sich daraus ergeben, hat jeder seine Erfahrungen gemacht....
Virginia Woolf, Orlando


Konzept Annette Lober, Nils Torpus. Regie: Nils Torpus. Schauspiel: Annette Lober, Mona Petri, Francesca Tappa. Bühne: Andy Giger und Ensemble. Klangobjekte: Philipp Läng. Musik: Philipp Läng, Herwig Ursin. Kostüme: Juliane Krüger. Licht/Technik Andy Giger. Produktion: Markus Speck.