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Artists in Residence
Mats Staub

Was ist Deine Verbindung zum Schlachthaus Theaters Bern?
Im Schlachthaus habe ich im April 2008 das Langzeitprojekt «Meine Grosseltern | Erinnerungsbüro» begonnen - damals war das nur eine Idee, die ich lange in meinem Kopf herumgetragen hatte und von der ich nicht wissen konnte, ob sie auch wirklich tragfähig ist. Inzwischen war das «Erinnerungsbüro» u.a. bei den Wiener Festwochen und am Schauspielhaus Hamburg, und es wächst immer noch weiter (aktuell ist «Meine Grosseltern» im Museum.BL in Liestal, nächste Stationen sind Stans und Frankfurt). Ich denke aber immer wieder an diesen wichtigen Ausgangspunkt zurück und auch deshalb hat es mich gereizt, hier eine neue Idee auszuprobieren, von der ich nun weiss, dass sie trägt.
Aus welchem Grund warst Du im Frühjahr 2011 hier, warum bist Du wieder hier?
Im Frühjahr begann die Recherche für die Audio-Besichtigung «Metzgergasse 2011» - bald stellte sich heraus, dass der ursprünglich geplante Monat nicht ausreicht, dass dieses Projekt viel viel Zeit braucht. Es war entscheidend, hier zu leben und den Menschen ohne vorgängige Terminabsprachen in der Rathausgasse immer wieder begegnen zu können. Eine Begegnung führte zur nächsten, so dass es nun insgesamt sechs Stunden Geschichten aus der ehemaligen Metzgergasse zu hören gibt.Bei den Gesprächen wurde auch mehrfach ein ungeklärter Mord an einer Prostituierten namens Hulda Hotz erwähnt. Als ich im Stadtarchiv nachfragte, stellte sich heraus, dass dort fünf prall gefüllte Bundesordner mit den Ermittlungsakten von 1961 liegen. Ich war komplett elektrisiert und habe nun die Möglichkeit, Seite für Seite allen Spuren nachzugehen.
Würdest Du Deine Arbeit «Metzgergasse 2011» als Theaterarbeit bezeichnen? Warum ?
Sie bewegt sich, wie bereits «Meine Grosseltern», in einem Zwischenbereich von Theater und Ausstellung. Für beide Formate ist zentral, dass sich ein Publikum an einen realen Ort begibt und bereit ist, sich für über eine Stunde in eine Thematik zu vertiefen. ZuschauerInnen von zeitgenössichen Theaterformen haben eine grosse Bereitschaft, sich auf ungewohnte Wahrnehmungsweisen einzulassen - das ist toll. Ich bin aber auch immer daran interessiert, Menschen zu erreichen, die gewöhnlich keinen Fuss in Kulturinstitutionen setzen. Ich verstehe «Theater» als Ort der Auseinandersetzung und des Erprobens: es bietet die einzigartige Möglichkeit,mit verschiedensten Gewerken zusammen auf kleinem Raum und mit bescheidenem Budget ein Projekt zu erarbeiten – so gesehen ist «Metzgergasse 2011» auch eine Theaterarbeit.
Was meinst Du, wirst Du den Mord aufklären?
Das ist nicht der Anspruch, aber wer weiss – erst mal bieten die Ermittlungsakten eine faszinierende Vielzahl an Einblicken in Lebensläufe und Milieus, und in die Arbeitsweise der Polizei im Zeitalter der Schreibmaschine. Eine Arbeitsweise, mit der ich mich verwandt fühle: jede Einzelheit wird aufmerksam betrachtet, weil sie eine wichtige Geschichte erzählen könnte.
Könntest Du Dir vorstellen, ein Theaterstück über den Mord in der Metzgergasse zu schreiben?
Ja bzw. es ist noch nicht abzusehen, wohin die Recherchen führen werden. Zunächst schreibe ich eine Serie für die Berner Zeitung, das generiert den nötigen Druck, mich auch wirklich durch die Akten zu wühlen - und es hat auch schon zu Kontakten mit Menschen geführt, für die diese Geschichte auch nach fünfzig Jahren nicht abgeschlossen ist.
Wie geht es bei Dir weiter?
Es geht mit «Metzgergasse 2011» in doppeltem Sinn weiter. Mit dieser Arbeit lässt sich ja nicht touren, sie ist ganz und gar an den Ort gebunden. Aber das Prinzip, eine Strasse oder einen Platz zur Ausstellung zu erklären und die Geschichten der Menschen zu sammeln, die dort leben und arbeiten, dieses Prinzip ist übertragbar. Als nächster Ort ist der Bundesplatz in Luzern geplant - im Gegensatz zur Rathausgasse hat er auf den ersten Blick nichts Anziehendes, es ist ein Verkehrskreisel mit einer Toilette im Zentrum. Auf den zweiten Blick gibt es ziemlich eigenartige Geschäfte und 198 Klingelschilder zu Lebensmittelpunkten von Menschen, die ich allmählich kennenlernen werde - 'Premiere' ist im April 2012. Ich bin aber auch sehr froh, dass nachdem wunderbaren Beginn bei «Wem gehört die Stadt?» die Audio-Besichtigung «Metzgergasse 2011» weiterhin möglich ist: die iPods können nun in der Rathausgasse bei der 'Bücher-Eule', im 'Peep-Store' und bei der 'DVD Mediathek Dr. Strangelove' ausgeliehen werden.
Bitte vervollständige die folgenden Sätze:
Ich liebe die Musik von … Heinrich Schütz
Das erste was ich tue wenn ich morgens aufstehe ist …. Kaffee kochen
Eines Tages würde ich wirklich gerne … den Ort besuchen, wo sich meine Grosseltern in Afrika kennenlernten
Das Theater in meinem Land … ist eine kleine eigene Welt
Was mich an der Rathausgasse wirklich überrascht hat … das Wildsche Universum in Nummer 30
