Schlachthaus Theater Bern

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Philosophie im Theater

Drei Theaterkünstler arbeiten sich an einem philosophischen Diskursbuch ab. Ja, auch Kopp/Nauer/Vittinghoff stellen die Gretchenfrage. Im Anschluss an die zweite Vorstellung von «Jenseits von Gut und Böse» am Sonntag, den 12. Februar um 19:30 findet ein Gespräch mit dem Autor von «Jenseits von Gut und Böse - Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind» statt, dem Philosophen, Schriftsteller und Religionskritiker Michael Schmidt-Salomon
Moderation: Monika Maria Trost.


«Das Böse ist eine Wahnidee, die zwar in unseren Köpfen herumspukt, für die wir in der Realität jedoch keine Entsprechung finden. Je genauer wir hinschauen, desto klarer erkennen wir: Gute und böse Menschen gibt es ebenso wenig wie gute und böse Katzen, Elefanten, Regenwürmer oder Delphine.»

Als ich diese zugespitzte These vor etwa einem Jahrzehnt auf einer philosophischen Tagung vortrug, blickte ich in einigermassen verstörte Gesichter. Von Gott und Teufel hatte sich das philosophisch gebildete Publikum, vor dem ich referierte, zwar weitgehend verabschiedet, doch an der Unterscheidung von Gut und Böse meinte es unbedingt festhalten zu müssen.

Und so stiessen meine Argumente gegen das «moralische Schuldprinzip» auf hartnäckigen Widerstand – vor allem als ich ausführte, dass sich Hitler und Stalin nicht aus «freiem Willen» für «das Böse» entschieden hatten. Dass die beiden Diktatoren, immerhin die Hauptverantwortlichen für die Abschlachtung von Millionen von Menschen, letztlich nur tun konnten, was sie tragischerweise aufgrund ihrer jeweiligen Lebenserfahrungen tun mussten, war ein geradezu ungeheuerlicher Gedanke, den die meisten Zuhörer voller Entrüstung von sich wiesen. Wo kämen wir auch hin, wenn «derartige Bestien» moralisch entschuldigt würden?!

Reaktionen wie diese sind verständlich. Denn unsere Gehirne wurden über Jahrhunderte hinweg auf der Basis von «Schuld und Sühne» und «Gut und Böse» programmiert. Dass man die Welt auch auf eine völlig andere Weise wahrnehmen könnte, kommt vielen Menschen gar nicht erst in den Sinn.

(Aus der Einleitung zum Buch Jenseits von Gut und Böse – Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind  von Michael Schmidt-Salomon)

 

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